"WURZELSPITZENRESEKTION OFT UNNÖTIG"


Herr Dr. Schmitt, Sie sagen, die meisten Wurzelspitzenresektionen sind unnötig. Warum werden sie dann so häufig durchgeführt?

 

Weil die zuvor durchgeführte Wurzelkanalbehandlung
nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat. Dann will man die Bakterien quasi abschneiden, in der Annahme, sie befänden sich alle nur unten an der Wurzelspitze. So sieht das auf dem
Röntgenbild auch oft aus.

 

Was ist daran falsch?

 

Bakterien können sich im gesamten Kanal befinden. Wenn Sie sich den Wurzelkanal wie ein Rohr vorstellen in das nun Bakterien geraten, dann fallen die ja nicht einfach nach unten. Die breiten sich von oben aus und sind überall nachweisbar. Da bereits kleinste Dosen reichen, ist das pure Abschneiden bei der Wurzelspitzenresektion wenig erfolgsversprechend. Wenn ich ein Rohr reinigen möchte, dann wird es weder sauberer noch dichter, wenn ich ein Stück davon abschneide.genau das macht aber die Wurzelspitzenresektion.

 

Was ist in Ihren Augen die Alternative zur Wurzelspitzenresektion?


 

Die Wurzelspitzenresektion kommt ja überhaupt erst in Frage, wenn die Wurzelkanalbehandlung
gescheitert ist. Die Wurzelkanalbehandlung (Endodontie) ist eine der komplexesten, schwierigsten Behandlungen in der Zahnmedizin. Viele neue Verfahren und Instrumente helfen, neben einem sehr erfahrenen Zahnarzt, die Erfolgsquote dieser Behandlung auf 95 %
zu steigern. Standardmethoden scheitern hingegen leider in 50 % der Fälle.


 

Das heißt bei der Hälfte aller Patienten ist die Wurzelspitzenresektion 
notwendig?

 

Keinesfalls ist dann automtaisch eine Wurzelspitzenresektion notwendig. Wenn durch die Standard-Wurzelkanalbehandlung die Infektion nicht
beherrscht werden konnte, ist zunächst eine erneute Wurzelkanalbehandlung sinnvoll,
die sogenannte Revisionsbehandlung. Spätestens dann sollte ein erfahrener Endodont mit Mikroskop die Behandlung durchführen, um den erwünschten Erfolg zu erzielen.

Kommentare: 14
  • #14

    Dr. Ulrich Schmitt (Freitag, 21 Februar 2020 22:34)

    @ A. Schelter:
    Wenn eine Fistel vorliegt, muss der Zahnarzt rausfinden, welches der verantwortliche Zahn ist. Das muss nicht immer der Zahn sein, neben dem die Fistel auftaucht. Wenn der ursächliche Zahn entdeckt ist, dann wir dieser aufgebohrt und der Wurzelkanal gereinigt. Es ist nicht notwendig die Fistel aufzuschneiden, das bringt leider gar nichts. Wenn der Wurzelkanal ausreichend gereinigt und desinfiziert ist, dann verschwindet die Fistel innerhalb weniger Tage von alleine. Ob eine Wurzelspitzenresektion gemacht werden muss ist kurz nach der Wurzelbehandlung nicht zu beurteilen. Die meisen Wurzelspitzenresektionen können ja durch eine gute Wurzelbehandlung vermieden werden, egal ob der Zahn eine Fistel hatte oder nicht. Zahn bitte nicht einfach ziehen lassen (außer es kann eine Fraktur am Zahn ausgemacht werden) und auch bitte nicht die Wurzelspitze abschneiden lassen. Holen Sie sich eine Zweitmeinung von einem Kollegen ein, der auf Endodontie spezialisiert ist und mit Mikroskop arbeitet.
    Viele Grüße
    Ulrich Schmitt

  • #13

    Dr. Ulrich Schmitt (Freitag, 21 Februar 2020 22:07)

    @Petra: Entschuldigen Sie die späte Antwort, ich habe ihre Frage übersehen.
    Das hört sich leider nicht ganz so gut an. Ich kann Ihnen nur beschreiben wie bei uns das übliche Vorgehen ist.
    Ich lehne eine Wurzelbehandlung ab, die nur deswegen notwendig wird, weil der Zahn in der Stellung korrigiert werden soll. Auch wenn es heute durch moderne Technik möglich ist Wurzeln so zu behandeln, dass eine sehr gute Erfolgsprognose angeboten werden kann, sollte man nicht absichtlich den Zahn devitalisieren (also den Nerv rausholen).
    Nach einer Wurzelbehandlung warten wir deutlich länger ab, bevor der Zahn definitiv restauriert wird. 3 Wochen sind da schon sehr kurz. Der Stift schwächt den Zahn oft zusätzlich.
    Sind Sie sicher, dass die 4 Kronen angefertigt wurden, ohne dass ein Gegenabdruck / Gegenmodell vorlag? Das wäre sehr ungewöhnlich, weil man ja die Kronen an den Gegenkiefer anpassen muss.
    Eine Überbelastung des Zahns durch "anhauen" des Gegenzahns, also durch Frühkontakt führt meistens zu Beschwerden und Lockerung des Zahns.
    Tut mir leid, dass ich erst einmal nichts Postitives dazu sagen kann. Wenn Sie unsicher sind, dann holen Sie sich am besten eine zweite Meinung ein.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute
    Ulrich Schmitt

  • #12

    A. Schelter (Mittwoch, 19 Februar 2020 15:10)

    Sehr geehrte Herr Dr Schmitt

    An einem Backenzahn im unterkiefer hat sich eine fistel gebildet. Diese fistel wurde aufgeschnitten und der Zahn bekam eine wurzelbehandlung da er schon tot ist und entzündet war. Mein Zahnarzt sagte dass er nicht glaubt dass dies reicht und die fistel wieder kommt. Er meinte da würde dann nur eine wurzelspitzenresektion helfen.

    Gibt es dazu eine Alternative? Oder wäre den Zahn sofort ziehen eine Variante?

    Vielen Dank schon mal im voraus

    Grüße
    A. Schelter

  • #11

    Dr. Ulrich Schmitt (Donnerstag, 13 Februar 2020 21:41)

    Liebe Frau Windler, ja, es gibt in den allermeisten Fällen eine Alternative zur Wurzelspitzenresektion oder gar Zahnentfernung. Zur abschließenden Beurteilung bräuchte ich ein Röntgenbild und den klinischen Befund. Ein Zahn, der erst einmal erfolgreich behandelt worden ist, aber nach Jahren doch eine Entzündung aufweist, ist natürlich leider kein Erfolg. Aber auch eine erneute Wurzelentzündung, wie sie bei Ihnen vorliegt, kann durch eine sogenannte Revisionsbehandlung erfolgreich und langfristig behandelt werden. Ohne Wurzelspitzenresektion. Die Behandlung sollten Sie von einem erfahrenen Endodonten durchführen lassen der mit einem Dentalmikroskop arbeitet. Dann haben sie sehr gute Chancen. Ich hoffe, Ihnen schon einmal geholfen zu haben. Bei weiteren Fragen, dürfen Sie sich gerne melden. Viele Grüße
    Ulrich Schmitt

  • #10

    Juliane Windler (Donnerstag, 13 Februar 2020 06:01)

    Sehr geehrter Dr. Schmitt,
    bei mir wurde vor Jahren eine Wurzelbehandlung mit Erfolg durchgeführt. Auf dem Zahn sitzt mittlerweile eine Krone und nun hat sich die Wurzel trotzdem wieder entzündet. Wie kann das zustande kommen und gibt es auch in diesem Fall eine Alternative zur Wurzelspitzenresektion?

    Viele Grüße
    J.Windler

  • #9

    Petra (Montag, 27 Januar 2020 13:15)

    Vor über 8 Wochen wurde bei mir eine Wurzelbehandlung am 21ger Zahn gemacht, dann 3 Wochen ein Provisorium bis zur Überkronung drauf und auch keine Beschwerden . Die Wurzelbehandlung wurde nur gemacht, weil ein Stift mit dran sollte...der Zahn stand vorher sehr weit nach vorne.
    Am 13.12.2019 bekam ich dann meine 4 Kronen für die Frontzähne im OK. Nun bin ich immer wieder mit die unteren Frontzähne gegen den Stiftzahn gehauen und hab seitdem Schmerzen in diesem und er bewegt sich auch leicht bei jeder Kleinigkeit. Mein Zahnarzt meint immer nur...sie verlieren ihn nicht, macht aber auch nicht's. Er hat die unteren Frontzähne etwas beschliffen und ich stoße weniger dagegen, aber die schmerzen hören nicht auf.
    Was ist ihre Meinung dazu?
    Was kann man machen?
    Ich hab so Angst das ich den Zahn verliere und ein Implantat könnte ich mir gar nicht leisten. Und es ist ja auch nicht meine schuld. Möchte noch anführen das es kein Abdruck vom Gegenbiss, also UK gemacht wurde.
    Ganz lieben Dank für ihre Antwort!

  • #8

    Dr. Ulrich Schmitt (Sonntag, 19 Januar 2020 21:54)

    Lieber Herr Schmidt,
    ja eine Revisionsbehandlung ist meistens die sinnvollste Variante (natürlich muss man zur Beurteilung den Zahn und das Röntgenbild sehen). Da die vorige Standardbehandlung nicht zum Erfolg geführt hat, empfehle ich Ihnen einen Zahnarzt aufzusuchen, der einen Schwerpunkt auf Wurzelkanalbehandlungen hat und mit Mikroskop arbeitet (einen sogenannten Endodonten). Dadurch ist die Erfolgsprognose deutlich höher und die Entzündung kann ausheilen, ganz ohne Operation. Im Gegenteil, die Standard-Wurzelspitzenresektion hat sogar eine geringere Prognose auf Erfolg. Also bitte nicht einfach abschneiden lassen. Eine Antibiotikumgabe kann nur kurzfristig helfen, egal ob lokal oder systemisch (also über Tabletten). Sie ist nicht zu empfehlen, kann die Entzündung nicht heilen und hat keinen Einfluss auf die Erfolgsprognose während einer Revisionsbehandlung. Viel Erfolg, Ulrich Schmitt

  • #7

    Martin Schmidt (Mittwoch, 15 Januar 2020 08:05)

    Ich habe 1,5 Jahre nach der Wurzelbehandlung am Backenzahn eine Zyste am Zahnfleisch bekommen. Beim Röntgen wurde nun festgestellt, dass die Zahnwurzel entzündet ist. Ist nach 1,5 Jahren noch eine Revision der Wurzelbehandlung möglich?
    Wäre eine Alternative eine lokale Antibiotika-Injektion? Ich möchte eine Resektion vermeiden.

  • #6

    Dr. Ulrich Schmitt (Freitag, 13 Dezember 2019 22:32)

    Lieber Herr Hagemann,
    natürlich kann ich eine Beurteilung ohne Röntgenbild nur eingeschränkt abgeben. Aufgrund ihrer Schilderung kann ich aber sagen, dass eine Wurzelspitzenresektion nicht sinnvoll erscheint, wenn das Wurzelkanalsystem nicht vollständig gereinigt und gefüllt ist. Sollten für die unvollständige Reinigung besondere anatomische Gegebenheiten verantwortlich sein, kann man ihnen in der Regel durch moderne Techniken (Mikroskop, moderne Feilen, moderne Spültechniken...) begegnen. Ich empfehle Ihnen also mich oder einen Kollegen aufzusuchen (der einen Schwerpunkt auf Endodontie (mit Mikroskop) hat), um sich eine zweite Meinung einzuholen. Eine sogenannte Revisionsbehandlung (Entfernung der alten Wurzelfüllung, Erschließung, Reinigung und Füllung des gesamten Wurzelkanalsystem) hat eine sehr gute Prognose, die Beschwerden zu beseitigen und die Veränderung im Knochen zu regenerieren. In den allermeisten Fällen ist diese Veränderung auch keine Zyste sondern nur die Rekation im Knochen auf die bakterielle Infektion. Beste Grüße, Dr. U. Schmitt

  • #5

    Helmut Hagemann (Freitag, 13 Dezember 2019 10:22)

    Nach einer Wurzelkanalbehandlung habe ich seither leichte Druckempfindlichkeit im entsprechenden Frontzahn 3 Oberkiefer.
    Ein Röntgenbild zeigt, dass die Wurzelkanalfüllung nicht bis ans Ende des Wurzelkanals reicht. und der Verdacht auf Zystenbildung besteht.
    Der angefragte Kieferchirurg empfiehlt eine Wurzelspitzenresektion..
    Ist das ohne Erneuerung der Wurzelkanalfüllung sinnvoll?
    Dank vorab
    Helmut Hagemann

  • #4

    Dr. Ulrich Schmitt (Samstag, 25 Mai 2019 12:31)

    Liebe Frau Jauch,
    ja eine Wurzelkanalentzündung kann die Kieferhöhle mitbeteiligen. Ein Ausstrahlen in das Auge ist allerdings eher von einem Zahn etwas weiter vorne zu erwarten. Jede Entzündung, jeder Herd belastet den Körper. Eine Entzündung eines Oberkieferbackenzahns kann die Kieferhöhle mitbeteiligen, eine Ausstrahlung in das Auge kommt eher von einem vorderen Zahn. Ich kann von hier aus natürlich nicht beurteilen, ob der erkannte Herd ursächlich mit den Erschöpfungszuständen zusammenhängt. In jedem Fall sollten Sie aber einen Experten aufsuchen, um die Entzündung behandeln zu lassen (in der Regel ohne Wurzelspitzenresektion). Je nach Behandlungsmethode und Ausgangssituation gibt es hierfür unterschiedliche Erfolgsprognosen. Beste Grüße, Ulrich Schmitt

  • #3

    Dagmar Jauch (Freitag, 24 Mai 2019 11:36)

    Kann es sein, dass eine Wurzelkanalentzündung sich in die Kiefernhöhlen ausbreitet, bis ins Auge ausstrahlt (es ist wahrscheinlich der vorletzte hintere Backenzahn links oben) und bei längerem Bestehen zu körperlichen Erschöpfungzuständen führt?

  • #2

    Dr. Ulrich Schmitt (Mittwoch, 22 Mai 2019 23:00)

    Liebe Frau Krupp,
    zunächst möchte ich mich entschuldigen für die späte Antwort.
    Die Ursache der Entzündung liegt nahezu immer in der nicht vollständigen Entfernung der Infektion im Wurzelkanal. Manchmal kann es auch eine Fraktur der Wurzel sein oder ähnliches. Das ist online aber natürlich nicht zu beurteilen. Entzündete Zähne können Probleme mit Kieferhöhlen unterhalten aber nicht umgekehrt eine Erkältung eine Entzündung an der Wurzelspitze verursachen. Wenn Sie am Zahnerhalt interessiert sind, sollten Sie jemanden aufsuchen der nachweislich einen Schwerpunkt auf Wurzelkanalbehandlungen hat und mit Mikroskop arbeitet. Er kann beurteilen, ob eine Revisionsbehandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist oder die Zahnentfernung die bessere Variante wäre. Ich hoffe Ihnen damit geholfen zu haben und verbleibe mit den besten Wünschen
    Ulrich Schmitt

  • #1

    Leonore Krupp (Donnerstag, 21 März 2019 11:31)

    Das ist interessant, da ich auch davor stehe und ablehne hier nach vier Monaten Behandlung mit Medikamenten nun höre, dass diese ohnehin nicht helfen würden.
    Nun gibt es eine Revisionsbehandlung, davon hörte ich noch nie. Meine Zahnärztin wird das auch nicht wollen, und ich will die Chirurgische Behand nicht.
    Grund, ich bin fas 80 Jahre, habe andere Beschwerden und mir ist auch nicht klar woher diese Entzündung eigentlich kommt. Ich habe einen Backenzahn im Oberkiefer links ganz hinten der abgebrochen ist. Die Röntgenaufnahme zeigte in der Wurzelspitze eine Entzündung, die Ursache woher sie kommt ist unklar. Vielleicht verursacht und Erkältungen, da ich oft unter darunter gelitten habe und glaube sie ist schon chronisch. Sollte man nicht versuchen diese erst zu behandeln? Ich habe mich entschlossen diesen schmerzhaften, blutigen Eingriff mir nicht zuzumuten und versichte lieber auf die kleine Kaufläche die fehlt.. Ich habe keine Schwierigkeiten beim Essen, sicher man merkt bei einigen Lebensmitteln /Mandarinen lässen nicht verkleinen), mache ich vorher selbst. Ich esse geröstete Brötchen vorsichtig und benutze die gesamte Kaufläche.
    Sollte ich meine Zahnärztin bitten eine erneute Behandlung durchzuführen, oder den restlichen Zahn mit Wurzel zu ziehen. Wenn ein Zahn gezogen wird kommt doch die Wurzel auch mit heraus, oder nicht.
    Gibt es jamanden in meinem Alter der vielleicht Ähnliche erlebt hat?
    Vielen Dank vorab