"WURZELSPITZENRESEKTION OFT UNNÖTIG"


Herr Dr. Schmitt, Sie sagen, die meisten Wurzelspitzenresektionen sind unnötig. Warum werden sie dann so häufig durchgeführt?

 

Weil die zuvor durchgeführte Wurzelkanalbehandlung
nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat. Dann will man die Bakterien quasi abschneiden, in der Annahme, sie befänden sich alle nur unten an der Wurzelspitze. So sieht das auf dem
Röntgenbild auch oft aus.

 

Was ist daran falsch?

 

Bakterien können sich im gesamten Kanal befinden. Wenn Sie sich den Wurzelkanal wie ein Rohr vorstellen in das nun Bakterien geraten, dann fallen die ja nicht einfach nach unten. Die breiten sich von oben aus und sind überall nachweisbar. Da bereits kleinste Dosen reichen, ist das pure Abschneiden bei der Wurzelspitzenresektion wenig erfolgsversprechend. Wenn ich ein Rohr reinigen möchte, dann wird es weder sauberer noch dichter, wenn ich ein Stück davon abschneide.genau das macht aber die Wurzelspitzenresektion.

 

Was ist in Ihren Augen die Alternative zur Wurzelspitzenresektion?


 

Die Wurzelspitzenresektion kommt ja überhaupt erst in Frage, wenn die Wurzelkanalbehandlung
gescheitert ist. Die Wurzelkanalbehandlung (Endodontie) ist eine der komplexesten, schwierigsten Behandlungen in der Zahnmedizin. Viele neue Verfahren und Instrumente helfen, neben einem sehr erfahrenen Zahnarzt, die Erfolgsquote dieser Behandlung auf 95 %
zu steigern. Standardmethoden scheitern hingegen leider in 50 % der Fälle.


 

Das heißt bei der Hälfte aller Patienten ist die Wurzelspitzenresektion 
notwendig?

 

Keinesfalls ist dann automtaisch eine Wurzelspitzenresektion notwendig. Wenn durch die Standard-Wurzelkanalbehandlung die Infektion nicht
beherrscht werden konnte, ist zunächst eine erneute Wurzelkanalbehandlung sinnvoll,
die sogenannte Revisionsbehandlung. Spätestens dann sollte ein erfahrener Endodont mit Mikroskop die Behandlung durchführen, um den erwünschten Erfolg zu erzielen.

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Kommentare: 4
  • #1

    Leonore Krupp (Donnerstag, 21 März 2019 11:31)

    Das ist interessant, da ich auch davor stehe und ablehne hier nach vier Monaten Behandlung mit Medikamenten nun höre, dass diese ohnehin nicht helfen würden.
    Nun gibt es eine Revisionsbehandlung, davon hörte ich noch nie. Meine Zahnärztin wird das auch nicht wollen, und ich will die Chirurgische Behand nicht.
    Grund, ich bin fas 80 Jahre, habe andere Beschwerden und mir ist auch nicht klar woher diese Entzündung eigentlich kommt. Ich habe einen Backenzahn im Oberkiefer links ganz hinten der abgebrochen ist. Die Röntgenaufnahme zeigte in der Wurzelspitze eine Entzündung, die Ursache woher sie kommt ist unklar. Vielleicht verursacht und Erkältungen, da ich oft unter darunter gelitten habe und glaube sie ist schon chronisch. Sollte man nicht versuchen diese erst zu behandeln? Ich habe mich entschlossen diesen schmerzhaften, blutigen Eingriff mir nicht zuzumuten und versichte lieber auf die kleine Kaufläche die fehlt.. Ich habe keine Schwierigkeiten beim Essen, sicher man merkt bei einigen Lebensmitteln /Mandarinen lässen nicht verkleinen), mache ich vorher selbst. Ich esse geröstete Brötchen vorsichtig und benutze die gesamte Kaufläche.
    Sollte ich meine Zahnärztin bitten eine erneute Behandlung durchzuführen, oder den restlichen Zahn mit Wurzel zu ziehen. Wenn ein Zahn gezogen wird kommt doch die Wurzel auch mit heraus, oder nicht.
    Gibt es jamanden in meinem Alter der vielleicht Ähnliche erlebt hat?
    Vielen Dank vorab

  • #2

    Dr. Ulrich Schmitt (Mittwoch, 22 Mai 2019 23:00)

    Liebe Frau Krupp,
    zunächst möchte ich mich entschuldigen für die späte Antwort.
    Die Ursache der Entzündung liegt nahezu immer in der nicht vollständigen Entfernung der Infektion im Wurzelkanal. Manchmal kann es auch eine Fraktur der Wurzel sein oder ähnliches. Das ist online aber natürlich nicht zu beurteilen. Entzündete Zähne können Probleme mit Kieferhöhlen unterhalten aber nicht umgekehrt eine Erkältung eine Entzündung an der Wurzelspitze verursachen. Wenn Sie am Zahnerhalt interessiert sind, sollten Sie jemanden aufsuchen der nachweislich einen Schwerpunkt auf Wurzelkanalbehandlungen hat und mit Mikroskop arbeitet. Er kann beurteilen, ob eine Revisionsbehandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist oder die Zahnentfernung die bessere Variante wäre. Ich hoffe Ihnen damit geholfen zu haben und verbleibe mit den besten Wünschen
    Ulrich Schmitt

  • #3

    Dagmar Jauch (Freitag, 24 Mai 2019 11:36)

    Kann es sein, dass eine Wurzelkanalentzündung sich in die Kiefernhöhlen ausbreitet, bis ins Auge ausstrahlt (es ist wahrscheinlich der vorletzte hintere Backenzahn links oben) und bei längerem Bestehen zu körperlichen Erschöpfungzuständen führt?

  • #4

    Dr. Ulrich Schmitt (Samstag, 25 Mai 2019 12:31)

    Liebe Frau Jauch,
    ja eine Wurzelkanalentzündung kann die Kieferhöhle mitbeteiligen. Ein Ausstrahlen in das Auge ist allerdings eher von einem Zahn etwas weiter vorne zu erwarten. Jede Entzündung, jeder Herd belastet den Körper. Eine Entzündung eines Oberkieferbackenzahns kann die Kieferhöhle mitbeteiligen, eine Ausstrahlung in das Auge kommt eher von einem vorderen Zahn. Ich kann von hier aus natürlich nicht beurteilen, ob der erkannte Herd ursächlich mit den Erschöpfungszuständen zusammenhängt. In jedem Fall sollten Sie aber einen Experten aufsuchen, um die Entzündung behandeln zu lassen (in der Regel ohne Wurzelspitzenresektion). Je nach Behandlungsmethode und Ausgangssituation gibt es hierfür unterschiedliche Erfolgsprognosen. Beste Grüße, Ulrich Schmitt