Als erfahrener Zahnarzt beantworte ich hier die Fragen,
die mir meine Patienten am häufigsten stellen.

Zyste am Backenzahn – ist eine WSR wirklich notwendig?
Hallo Dr.Schmitt,
ich bin froh auf ihre Seite gestoßen zu sein.
Ich war vor ca. 5 Wochen beim Zahnarzt um eine Füllung erneuern zu lassen. Er stellte dabei fest das ein Backenzahn in der unteren Reihe (46) etwas wackelt und es wurde daraufhin ein Röntgenbild
gemacht. Mir wurde gesagt ich hätte eine große Zyste an Zahn 45, (hatte nie Beschwerden an dem Zahn) und müsste beim MKG einen Termin ausmachen für eine Wurzelspitzenresektion aber vorher bei meinem
Zahnarzt eine Wurzelbehandlung durchführen lassen. Also habe ich mir beim MKG erst mal einen Termin für ein Beratungsgespräch geben lassen. Dort sprach der Arzt lediglich von einer Entzündung und
meinte ich soll erstmal die Wurzelbehandlung machen lassen, dass das vielleicht schon ausreicht und eine weitere Behandlung bei ihm nicht notwendig ist. Also hab ich das gemacht und meinem Zahnarzt
mitgeteilt was der MKG dazu meint. Er war alles andere als begeistert und meinte das eine Wurzelbehandlung nicht reicht weil er dabei nicht so tief kommt um die Zyste zu erreichen. Als ich ihn fragte
warum er von einer Zyste spricht und der andere Arzt von einer Entzündung hab ich als Antwort bekommen das man eine Zyste auch Entzündung nennen kann und wenn ich das nicht zügig behandeln lasse,
große Probleme bekommen könnte. Also rief ich beim MGK an um einen Termin für die Wurzelspitzenresektion zu vereinbaren und die Arzthelferin wunderte sich dass das überhaupt notwendig ist, sie hätten
gedacht die Wurzelbehandlung reicht. Hat mir dennoch einen Termin gegeben mit der Aussage: wenn der Zahnarzt sagt das er da nix machen kann, wird das schon richtig sein zu kommen. Am 27.7. bekomme
ich beim Zahnarzt die endgültige Füllung, somit ist die Wurzelbehandlung abgeschlossen. Übermorgen ist die WSR. Ich bin ganz verunsichert und hab die Sorge das eine Behandlung vorgenommen wird, die
vielleicht nicht notwendig ist. Ich weiß noch nicht mal ob die Wurzelbehandlung überhaupt notwendig gewesen wäre, da ich, wie gesagt, keinerlei Beschwerden hatte. Was halten sie davon? Wäre ihnen für
eine schnelle Antwort sehr, sehr dankbar.
Hallo Marry,
tut mir leid, dass ich leider keine schnelle Antwort gegeben habe.
Ich möchte Ihnen gerne noch meine Antwort geben, auch wenn ich nicht weiß wofür Sie sich entschieden haben.
Ihr MKG hat völlig recht, ihr Zahnarzt leider unrecht.
Zuerst muß man die Wurzelbehandung durchführen. Die besten Chancen hat man mit einer Behandlung durch einen auf Wurzelbehandlung spezialisierten Zahnarzt, der mit Mikroskop und Kofferdam und anderen
Dingen arbeitet. Dann wartet man einfach ab. Nach ca. 6 Monaten macht man ein Röntgenbild und kontrolliert, ob die Veränderung im Knochen sich zurückgebildet hat und wieder wie normaler Knochen
aussieht. Nur wenn das nicht ausgeheilt ist und man davon ausgehen kann, dass über eine Wurzelbehandlung alles getan worden ist was medizinisch möglich ist, dann kommt die Wurzelspitzenresektion ins
Spiel.
Noch einmal zu der Aussage ihres Zahnarztes:
Die Ursache für die Veränderung im Knochen, egal ob als Entzündung in Form von Granulationsgewebe, also "entzündliche Auflösung des Knochens" oder als echte Zyste, liegt im Wurzelkanal (nur der
Vollständigkeit halber: es gibt noch andere Ursache für Zysten, die meisten sind aber durch Bakterien verursacht). Im Wurzelkanal sind Bakterien. Und wenn diese Bakterien entfernt werden, dann heilt
der Knochen auch aus (außer bei der Zyste). Also natürlich kommt man an die Veränderung im Knochen ran, weil man ja den gesamten Wurzelkanal säubert (im Idealfall).
Ich hoffe, ich konnte noch helfen und natürlich war meine Antwort jetzt recht komplex aber hoffentlich verständlich.
Alles Gute
Ulrich Schmitt