Als erfahrener Zahnarzt beantworte ich hier die Fragen,
die mir meine Patienten am häufigsten stellen.

Schwellung am Zahnfleisch trotz unauffälligem Röntgenbild?
Hallo Herr Schmitt,
herzlichen Dank für die so prompte Antwort. Ich war heute schon beim Zahnarzt, da die Beschwerden schlimmer geworden sind. Es ist eine leichte Schwellung ganz weit oben am Zahnfleisch zu sehen und zu
fühlen. Das Röntgenbild hingegen zeigte keine offensichtliche Entzündung. Der Kieferhöhlenboden war klar abgegrenzt zu sehen und leider ist der Zahn nur in wenig Knochen gebettet. Ich kämpfe seit zig
Jahren gegen Parodontitis, was bekanntlich nicht besonders förderlich für den Knochen ist. Es sind soweit ich es auf dem Röntgenbild erkennen konnte drei Wurzeln behandelt, und die Wurzelspitzen
sehen laut Zahnarzt gut aus. Hat der 26er denn vier Wurzeln?
Der Zahnarzt hat in der Hoffnung, es doch nur mit den Nachwehen eines grippalen Infekts zu tun zu haben, ein gängiges Antibiotikum verschrieben und zusätzlich eine antibiotische Salbe.in en Saum
zwischen Zahn und Zahnfleisch eingebracht. Kontrolltermin ist in vier Wochen und dann wird noch mal geschaut
Ich bin zwar Beihilfeberechtigt und Privatversichert, frage mich aber, ob eine derartig teure Zahnrevision wirtschaftlich ist, da ein nachhaltiger Erfolg ja alles andere als gewiss wäre. Oder wäre
ein kurzer Prozess mit Extraktion und Implantatversorgung einschließlich Sinusbodenlift wirtschaftlicher und mit weniger Entzündung und Schmerzen verbunden?
Hallo Andrea,
bei der Therapieentscheidung müssen natürlich alle Faktoren mit einbezogen werden, sowohl die medizinischen als auch die wirtschaftlichen. Das ist also eine sehr gute Frage, die mir auch immer wieder
gestellt wird. Letztendlich kann es nur individuell nach Auswertung aller Befunde und im Patient:innen / Zahnärzt:innen – Gespräch entschieden werden.
So wie Sie es schreiben, könnte bei Ihnen die "richtigere" Variante die Zahnentfernung sein. Wir Zahnärzte müssen entscheiden welche "Wertigkeit" der einzelne Zahn hat, wie gut ist die Prognose für
die Therapie, wie wertvoll wäre der Zahnerhalt, welchen Belastungen ist der Zahn ausgesetzt, welche Alternativtherapie gibt es bei welcher Prognose und welchen Kosten. Um nur ein paar Kriterien zu
nennen ;-).
Bei Ihnen scheint eine fortgeschrittene Parodontitis vorzuliegen. Ich würde mir den Zustand aller Zähne anschauen, die aktuellen Zahnfleischentaschentiefen und deren Milieu / Aktivität / Blutungen,
den Knochenverlauf, freiliegende Furkationen (Aufteilung der Wurzel)…
Dann könnte es sein, dass ich Ihnen eher zum Implantat raten würde. Allerdings ist ein Implantat deutlich anfälliger auf parodontale Keime als ein Zahn. Also würde ich mir anschauen, warum Sie seit
Jahren massive Probleme mit Parodontitis haben und in den meisten Fällen kann ich zusammen mit meinem tollen Prophylaxeteam die Situation stabilisieren. Bei parodontal instabilen Verhältnissen ist
ein Implantat keine gute Idee.
Viele Erfolg und eine gute Entscheidung,
Ulrich Schmitt