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Wir beantworten Ihre Frage

Als erfahrener Zahnarzt beantworte ich hier die Fragen,
die mir meine Patienten am häufigsten stellen.

Dr. Ulrich Schmitt, Zahnarzt mit Schwerpunkt Endodontie in Bensberg
Anna - 31. Januar 2026

Fehlerhafter Stift und Wurzelfüllung am Frontzahn?

Hallo Herr Dr. Schmitt,

mit etwa 14 Jahren erhielt ich eine Wurzelbehandlung an Zahn 11 (oberer Frontzahn). Mit 18 Jahren wurde darauf eine Krone mit Stift gesetzt. Aktuelle Röntgenbilder zeigen, dass der Stift nicht
korrekt in der Wurzel verankert ist und die Wurzelbehandlung offenbar nicht vollständig durchgeführt wurde.

Rückblickend war die Krone zu diesem Zeitpunkt medizinisch nicht notwendig. Aufgrund meines jungen Alters habe ich damals dem behandelnden Zahnarzt vertraut.

Derzeit habe ich keine funktionellen Beschwerden; mein Anliegen ist primär ästhetisch (leichter dunkler Rand, Farbe und Material nicht mehr zeitgemäß). Gleichzeitig habe ich Sorge, dass ein Austausch
der Krone oder eine weitergehende Behandlung die Zahnwurzel gefährden könnte, da wurzelbehandelte Zähne als spröder gelten und ein erhöhtes Frakturrisiko haben können.

Ich bitte Sie um Ihre Einschätzung zu folgenden Punkten:

1) Ist ein Austausch der bestehenden Krone nach so langer Zeit grundsätzlich möglich, ohne die Zahnwurzel zu gefährden und ohne ein relevantes Risiko für eine Wurzelfraktur einzugehen?

2) Besteht bei einem seit vielen Jahren wurzelbehandelten Zahn tatsächlich ein erhöhtes Risiko für Wurzelfrakturen, insbesondere im Zusammenhang mit einem Kronentausch oder einer Revision?

3) Ist eine Revision der Wurzelbehandlung auch ohne aktuelle Beschwerden sinnvoll und grundsätzlich auch bei einem vorhandenen Stift möglich?

4) Falls eine Revision durchgeführt wird:
– Kann der vorhandene Stift in der Regel belassen werden?
– Falls nicht, ist eine Entfernung und Neuverankerung eines Stifts unter Erhalt der Zahnwurzel möglich?

5) Gibt es ästhetisch hochwertige/zahnschonende Möglichkeiten, die bestehende Krone zu belassen und lediglich die Optik zu verbessern (z. B. durch ein Veneer auf der Krone oder andere additive,
konservative Lösungen), um das Risiko für Zahn- oder Wurzelverlust möglichst gering zu halten?

6) Mir ist aufgefallen, dass sich das Zahnfleisch im Bereich der Krone leicht zurückgezogen hat und dadurch ein dunkler Rand sichtbar wird. Welche Möglichkeiten gibt es, diesen Prozess zu
verlangsamen oder zu stoppen und die Situation ästhetisch möglichst unauffällig zu halten?

7) Falls ein Implantat in Betracht gezogen werden müsste: Wie beurteilen Sie Implantat versus Zahnerhalt im oberen Frontzahnbereich hinsichtlich Funktion, Knochenstabilität, Ästhetik und
Langzeitprognose in meinem Alter (Anfang 40)? Mir ist wichtig, eine langfristige Lösung zu finden, mit der ich meine eigenen Zähne möglichst lange erhalten kann.

Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre fachliche Einschätzung.

Freundliche Grüße
Anna

Antwort von Dr. Ulrich Schmitt

Hallo Anna,
gerne beantworte ich Ihre Fragen im Einzelnen, auch wenn sie natürlich fallbezogen gesehen werden müssen. Dazu ist die Ansicht eines Röntgenbilds und klinische Diagnostik nötig. Weiterhin ist die
Ausbildung der Behandler und die Qualität der Therapie zu berücksichtigen, da natürlich auch davon die Prognose für den Therapieerfolg und das Ausmaß der Schonung der Zahnsubstanz und des
Zahnfleischs abhängen.
zu 1. ja ein Austausch ist in der Regel absolut gefahrlos möglich
zu 2+3. Der Kronenaustausch und das Alter der Wurzelfüllung haben absolut nichts mit einem erhöhten Risiko einer Wurzelfraktur zu tun. Auch bei einer Revisionsbehandlung ohne Stiftentfernung (also
wenn gar kein Stift drin ist) hat man kein besonders erhöhtes Frakturrsiko. Allerdings ist die Entfernung eines Stifts mit einer erhöhten Frakturgefahr verbunden. Auch das lässt sich vom Profi aber
sehr minimieren. Dennoch, kann es sein, dass die Wurzel etwas geschwächt werden muss. Die Frage ist immer: Was ist die Alternative? Und muss der Stift überhaupt raus. Das hängt davon ab, ob eine
entzündliche Veränderung auf dem Röntgenbild zu sehen ist, ob Beschwerden bestehen und ob Karies unter der Krone bis in den Bereich des Stifts vorhanden ist. Es besteht nicht unbedingt die
Notwendigkeit einer Stiftentfernung und einer Revision nur weil der Stift vielleicht schräg in den Wurzelkanal gesetzt wurde oder die Wurzelfüllung nicht gut aussieht oder zu kurz ist
zu 4. Wenn ein Stift drin ist, dann ist für eine Revision der Wurzelfüllung auch immer die Stiftentfernung nötig, sonst kommen sie nicht an die darunter liegende Wurzelfüllung. Wir setzen nach der
Revisionsbehandlung keinen klassischen Stift, der in der Regel den Zahn eher schwächt. Ich verankere im Kanal Composite/Kunststoff. Das ist dann wie ein individueller Stift zu sehen, ohne dass man
eine Stiftbohrung machen muss. Dadurch erhöht man auch die Stabiltät ohne den Zahn weiter durch eine Stiftbohrung zu schwächen. Ich bin also in der Regel gegen konfektionierte Stifte.
zu5: nein
zu6. siehe die einleitenden Worte. Es ist wichtig, wie der Behandler mit dem Zahnfleisch umgeht im Falle des Austauschs. Ansonsten können Sie egal ob mit alter oder neuer Krone darauf achten, dass
der Zahfleischsaum frei von Belag ist aber gleichzeitig nicht tramatisiert wird durch die Reinigung. Es muss also das Hiflsmittel und die Putztechnik stimmen. Und es darf keine Überbelastung wie ein
Frontfrühkontakt auf der Krone sein, weil dies auch den Knochenabau fördern würde und dadurch das Zahnfleisch zurückgehen würde. Um den dunklen Rand zu vermeiden würde ich natürlich auch Keramikronen
setzen ohne Metallgerüst darunter. Wenn der Zahn und die Zahnwurzel dunkel verfärbt ist, dann könnte man nach der Wurzelfüllung und vor der Krone ein internes Bleaching machen. Allerdings ist nicht
ausgeschlossen, dass nach einigen Jahren die Wurzel wieder nachdunkelt. Das müsste individuell besprochen werden, was bei ihnen sinnvoll ist, auch welches Material für die Krone.
zu 7. Ich würde immer erst mal den eigenen Zahn bevorzugen, insbesondere mit 40 Jahren. Aber auch das muss fallbezogen beurteilt werden.
Ich glaube am wichtigsten ist, dass Sie eine(n) Behandler(in) finden der/die sich sehr gut auskennt sowohl mit endodontischen Themen als auch mit prothetischen Themen und sehr gewissenhaft arbeitet.
Ein reiner Endodont nützt nichts, ein reiner Prothetiker auch nichts. Wirklich ohne Absicht und Hintergedanken meinerseits. Aber wenn sie das Optimum rausholen möchten, dann bräuchten sie jemanden,
der genau das gleiche Praxiskonzept hat wie wir, weil hier die Kombination aus speziellem Wissen in der Endodontie und in der ästhetischen Zannheilkunde sehr hilfreich ist, verbunden mit der
Präzision aus Lupenbrille und Mikroskop.

Viel Erfolg und viele Grüße
Ulrich Schmitt