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Wir beantworten Ihre Frage

Als erfahrener Zahnarzt beantworte ich hier die Fragen,
die mir meine Patienten am häufigsten stellen.

Dr. Ulrich Schmitt, Zahnarzt mit Schwerpunkt Endodontie in Bensberg
Samuel - 7. September 2022

Entzündung um wurzelbehandelten Zahn 17 – was tun?

Guten Tag,
ich habe einen bereits vor Jahren wurzelbehandelten Backenzahln (Nr 17).
Bei der Röntgenaufnahme hat der Zahnarzt Entzündungen um die Wurzel herum festgestellt, außerdem eine kleine Blase über die vermutlich Eiter austritt (habe ich allerdings bisher nicht bemerkt und
Schmerzen habe ich auch keine).
Er hat mir nun eine Überweisung zu einem Kieferchirugen mitgegeben und schlägt eine Wurzelspitzenresektion vor. Nach kurzer Recherche bin ich mir nun gar nicht so sicher, ob das die geeignete
Maßnahme ist oder ob es weniger invasive Möglichkeiten mit gleichen Heilungschancen gibt. Danke für ihre Einschätzung.

Antwort von Dr. Ulrich Schmitt

Hallo Samuel,
sie haben sehr gut daran getan, sich noch einmal schlau zu machen.
Es gibt in der Regel immer die Chance für eine weniger invasive Behandlung, die ja auch noch eine bessere Prognose hat.
Durch die Informationen auf meiner Homepage und diesen Blog, ist es aber auch kein Geheimnis, dass ich sehr kritisch gegenüber den konventionellen Wurzelspitzenresektion bin.
Wenn die letzte Wurzelbehandlung nicht funktioniert hat, dann ist es nicht die Lösung einfach was von der Wurzel abzuschneiden. Was soll dadurch besser werden?
Ich erklär das immer so: Nehmen wir mal an ich habe ein Rohr, dass dreckig ist. Ich reinige es, habe es aber nicht ganz sauber bekommen. Dann versuche ich es abzudichten, zu füllen. Das gelingt mir
aber nicht ganz, sodass die Abdichtung undicht ist. Jetzt nehm ich eine Säge und schneide ein Stück ab. Wird dadurch das Problem gelöst? Wird das Rohr dadurch sauberer oder dichter?

Wenn, dann sollte aus meiner Sicht jeder Wurzelspitzenresektion nur mit retrograder Reinigung und Füllung stattfinden. Das heißt, dass die Wurzel von hinten abgeschnitten wird und dann von hinten
gereinigt und von hinten gefüllt wird. Damit dichten sie die letzten 3 mm der Wurzel von hinten ab. Allerdings ist das nur wie ein Korken und der restliche Dreck wird eingeschlossen.

Sie sind meiner Meinung nach noch nicht am Punkt der Resektion. Durch eine professionelle Wurzelbehandlung mit Mikroskop und VIELEN anderen wichtigen Details kann das gesamte Wurzelkanalsystem so
gereinigt werden, dass die Veränderung um die Wurzelspitze wieder zu Knochen wird und die Fistel verschwindet. Sollte auch das nicht reichen, dann wäre die nächste Stufe die Wurzelspitzenresektion,
aber dann natürlich auch mit Mikroskop und Reinigung/Füllung von hinten. Dann ist auch eine gute Vorarbeit durch die Revisionsbehandlung geleistet worden und der Korken schließt nicht nur den "Dreck"
ein, sondern die Resektion löst das Problem an der Wurzelpitze, dass trotz der Mikroskoprevision nicht gelöst werden konnte.
Ich hoffe, ich hab Sie jetzt mit den Informationen nicht erschlagen 🙂
Eine gute Entscheidung
Ulrich Schmitt