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Wir beantworten Ihre Frage

Als erfahrener Zahnarzt beantworte ich hier die Fragen,
die mir meine Patienten am häufigsten stellen.

Dr. Ulrich Schmitt, Zahnarzt mit Schwerpunkt Endodontie in Bensberg
Mirko - 15. März 2023

Überfüllter Kanal nach Wurzelkanalrevision – wie schlimm?

Sehr geehrter Herr Doktor Schmitt,

Mir wurde Ende letzten Jahres bei einem schon wurzelbehandelter Zahn (der letzte obere rechte Backenzahn) eine Wurzelkanalrevision durchgefuehrt, da er eine Entzuendung im Roentgenbild zeigte. Der
Zahnarzt arbeitete mit Kofferdam und Operationsmikroskop. Bei der Kontrollroentgenaufnahme (3D Roentgen) meinte er, dass er einen Kanal etwas ueberfuellt hat und er fuehrte etwas 1 Monat spaeter eine
erneute Revision durch (auf eigene Kosten).

Schon kurze Zeit nach der 2. Revision bemerkte ich ein Druckgefuehl, wenn ich seitlich von Innen auf die Stelle druecke, wo die Wurzelspitze sich befindet. Vor einiger Zeit bemerkte ich, dass ich an
dieser Stelle jetzt eine Fistel bekommen habe (Woelbung an der Innenseite des Gaumens) – Austritt von Eiter habe ich noch nicht bemerkt. Manchmal schmerzt es mehr, mal weniger, aber ich habe ein
staendig ungutes Gefuehl, wenn ich entweder mit dem Finger oder mit der Zunge gegendruecke.

Heute war ich wieder beim Zahnarzt und er moechte noch warten. Er sagte, dass die letzte Loesung, die er sieht, eine Extraktion waere, die er aber noch nicht durchfuehren moechte, da er schon so viel
an dem Zahn gemacht hat. Meine Frage, besteht die Moeglichkeit, dass sich die Fistel von allein zurueckbildet, unter der Annahme, dass die Wurzelkanaele ordentlich dicht abgefuellt worden? Kann das
auch noch etwa 2 Monate nach der letzten Revisionsbehandlung passieren, oder muss ich mich mit der Extraktion schon langsam anfreunden? Ich weiss, ohne genauere Untersuchung ist es schwer aus der
Ferne zu antworten, aber eventuell haben Sie schon solche aehnlichen Erfahrungen gehabt.

Auf meine Frage, ob eine Wurzelspitzenresektion nicht auch noch probiert werden koennte (habe Angst davor), meinte er, dass an der Innenseite Nerven und Arterien lang gaengen, und es daher riskant
waere es von der Innenseite her durchzufuehren.

Wie beurteilen Sie meine Situation? Den naechsten Termin habe ich in etwa 1 Monat, wo er wieder schauen will, ob sich etwas verbessert hat.

Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Zeit.
Mit freundlichem Gruß
Mirko

Antwort von Dr. Ulrich Schmitt

Hallo Mirko,
die Fistel ist ja ein klares Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Abwarten hilft da nicht. Es muß klar sein woher die Fistel kommt (sowohl welcher Zahn als auch welche Wurzel). Manchmal will es der
Zufall und die Ursache liegt gar nicht bei dem Zahn an dem die ganze Zeit behandelt worden ist. Daher gehe ich immer sehr wertfrei an die Region, wenn mich ein Patient aufsucht. Letztendlich kann
dann auch eine sogenannte Fistelaufnahme helfen (Röntgenbild bei dem meist ein Wurzelfüllstift in den Fistelkanal zur Darstellung gesteckt wird).
In ihrem Fall hört es sich so an, als ob die Gaumenwurzel das Problem ist. Dort ist eine Wurzelspitzenresektion sicherlich nicht so ganz einfach. Ein versierter Chirurg kann so etwas allerdings
lösen. Auch das sollte bitte mit Mikroskop gemacht werden und es sollte ein Chirurg mit enodontischen Fähigkeiten oder ein chirurgisch versierter Endodont sein, jeweils mit retrograder
Wurzelspitzenresektion.
Ob das ganze noch über eine weitere Revisionsbehandlung auszuheilen wäre, kann ich, wie sie schon sagten, leider so nicht beurteilen. Mikroskop und Kofferdam sind schon mal gute Kriterien, aber das
ist natürlich nicht alles. Aber abwarten hilft nicht dabei, dass die Fistel wieder verschwindet, selbst ein Antibiotikum würde nicht helfen. Die Ursache muß diagnostiziert und behoben werden.
Viele Grüße aus Bergisch Gladbach – Bensberg
Ulrich Schmitt