Als erfahrener Zahnarzt beantworte ich hier die Fragen,
die mir meine Patienten am häufigsten stellen.

Wurzelbehandlung ohne Kofferdam – ist das bedenklich?
Sehr geehrter Dr Schmitt!
Ich hatte am 30.7 eine Wurzelbehandlung am kleinen Schneidezahn oben. Der Zahn hatte tiefe Karies, war aber schmerzlos. Die Wurzelbehandlung wurde durchgeführt weil die Karies wohl zu nah am Nerv
war, ohne Kofferdam ohne Mikroskop, innerhalb von 15 Minuten gleich mit fester Wurzelfüllung zugemacht. Danach hatte ich lange Schmerzen, ein ziehen und drücken ohne Pause. Mein Zahnarzt schlug mir
eine WSR, die ich aber ablehnte. Ich ging zu einem anderen Zahnarzt der spezialisiert ist, er machte ein Röntgen und meinte die Füllung sieht sehr gut aus bis zur Spitze (Spitze ist stark gekrümmt)
es könne aber sein dass Bakterien im Kanal verblieben sind und schlug mir eine Wurzelkanalrevision vor. Diese machte er dann vor 10 Tagen. Diesmal mit Kofferdam und Mikroskop und allem drum und dran.
Leider schmerzt der Zahn nun noch mehr. Es ist ein Dauerdruck vorhanden , Aufbissschmerzen und starkes Pochen wenn ich mich bewege ( beim Laufen , Spazieren, Putzen ect) Ist das noch normal oder ist
etwas entzündet? Der Zahnarzt empfiehlt ein Antibiotikum, welches ich vermeiden möchte, da ich darauf immer mit vielen Nebenwirkungen reagiere. Kann es also sein dass sich der Zahn von allein noch
beruhigt? Oder soll ich darum bitten die Einlage nochmal gegen etwas anderes einzutauschen(der Zahn ist nur provisorisch verschlossen). Danke im Vorraus für ihre Antwort!
Hallo Anna,
vielen Dank für die sehr gute Beschreibung.
Sehr selten ist es tatsächlich so, dass ein Zahn auch nach optimaler Reinigung so reagiert wie Ihrer. Das Risiko dafür ist höher, wenn die erste Wurzelbehandlung so gelaufen ist wie sie sich
anhört.
Das Antibiotikum kann dann helfen, dennoch wird die Notwendigkeit der Gabe eines Antibiotikums unterschiedlich bewertet und es kann auch einfach abgewartet werden. Leider kann der Zustand doch einige
Zeit sehr schmerzhaft bleiben.
Ich bin kein Freund von ständigem Wechsel einer Einlage wie es so oft gemacht wird. Genauer gesagt: meistens sind die ständigen Wechsel Folge einer Verzweiflung, weil der Zahn nicht ruhig wird. In
den meisten Fällen ist aber die Ursache eine inkomplette Reinigung und dies wird nicht durch ständige Einlagen verbessert (zumindest was die langfristige Prognose angeht).
In ihrem Fall klingt das aber anders und nach einer "normalen" Reaktion nach guter Reinigung eines hochinfizierten Zahns, auch wenn das in dieser Intensität Gott sein Dank selten vorkommt.
Also: Antibiotikum wäre ok, abwarten auch und noch einmal Zugang schaffen und intensiv mit Schall /Ultraschall spülen und neue Einlage auch (mit Kontrolle der Reinigung, Länge und evtl.
Nachreinigung).
Welche dieser Varianten müssten Sie bitte mit ihrem behandelnden Endodont besprechen, da er die Situation natürlich besser einschätzen kann.
Wichtig ist mir nur zu sagen, dass das Antibiotikum nicht die langfristige Prognose beeinflusst, sondern ggf. nur die akute Symptomatik
Ich hoffe, es geht schon ein bisschen besser und ich wünsche Ihnen alles Gute.
Ulrich Schmitt