
Wurzelkanalbehandlung: Ihr Zahn ist es wert, erhalten zu werden
Ein entzündeter Zahnnerv ist kein Grund, einen Zahn aufzugeben. Wir behandeln Wurzelkanäle unter dem Mikroskop, auch wenn Ihr Zahn schon einmal behandelt wurde.
Seit der Gründung unserer Praxis in Bensberg widmet sich Dr. Ulrich Schmitt vor allem der Endodontie. Er erklärt Ihnen jeden Schritt und sagt Ihnen offen, was möglich ist.
Wir behandeln unter dem Mikroskop. Denn man kann nur behandeln, was man sieht.
Wurzelkanäle sind oft feiner als ein Haar, gekrümmt und verzweigt. Das Dentalmikroskop vergrößert bis zu 25-fach und leuchtet das Zahninnere schattenfrei aus. So werden Strukturen sichtbar, die mit bloßem Auge oder einer Lupenbrille verborgen bleiben: zusätzliche oder verkalkte Kanäle, feine Risse, alte Füllmaterialien oder abgebrochene Instrumente.
Ein übersehener und deshalb nicht gereinigter Kanal gehört zu den häufigsten Gründen, warum eine Wurzelbehandlung nicht ausheilt. Studien zeigen, dass mit dem Mikroskop deutlich mehr Kanäle gefunden werden, zum Beispiel der oft versteckte zweite Kanal in der vorderen, wangenseitigen Wurzel oberer Backenzähne. Außerdem müssen wir weniger Zahnsubstanz abtragen, weil wir genau sehen, wo wir ansetzen.
Dazu kommen elektronische Längenmessung, hochflexible Nickel-Titan-Feilen und aktivierte Spüllösungen. Während der Behandlung schützt der Kofferdam, ein dünnes Gummituch, den Zahn vor Speichel und Bakterien. Die Fachgesellschaften empfehlen ihn ausdrücklich.
Wann eine Wurzelkanalbehandlung nötig wird
Dringen Bakterien in das Zahninnere ein, etwa über eine tiefe Karies, eine undichte Füllung, einen Riss oder nach einem Unfall, kann sich die Pulpa entzünden (Pulpitis) und absterben. Typische Hinweise sind anhaltende Schmerzen bei Wärme oder Kälte, Aufbissschmerz oder eine Schwellung. Oft verläuft der Prozess aber schleichend und ganz ohne Beschwerden.
Bleibt die Entzündung unbehandelt, breitet sie sich bis in den Kieferknochen aus (apikale Parodontitis). Chronische Entzündungsherde können den gesamten Organismus belasten. Um den Zahn zu erhalten, muss das komplette Wurzelkanalsystem gereinigt, desinfiziert und bakteriendicht verschlossen werden.

Wie gut sind die Erfolgsaussichten?
Die Wurzelkanalbehandlung ist wissenschaftlich gut untersucht. Große Übersichtsarbeiten zeigen: Wird sie sorgfältig durchgeführt, heilt die Entzündung an der Wurzelspitze in den meisten Fällen vollständig aus. Je nach Studie und Bewertungsmaßstab gilt das für rund 70 bis über 90 Prozent der Zähne. Noch höher ist der Anteil der Zähne, die langfristig erhalten bleiben: In Auswertungen über zwei bis zehn Jahre sind es zwischen 86 und 93 Prozent.
Auch eine erneute Behandlung, die Revision, lohnt sich häufig. Nach aktueller Studienlage heilen dabei rund drei von vier Zähnen aus.
Wie gut die Aussichten für Ihren Zahn sind, hängt vor allem von diesen Faktoren ab:
- ob sich im Knochen an der Wurzelspitze bereits eine Entzündung gebildet hat,
- wie vollständig sich alle Kanäle reinigen und bis zur Wurzelspitze füllen lassen,
- wie dicht der Zahn danach verschlossen und versorgt wird, etwa mit einem Onlay oder einer Krone,
- wie viel stabile Zahnsubstanz noch vorhanden ist.
Eine Garantie gibt es in der Medizin nicht. Wir sagen Ihnen aber vor der Behandlung offen, wie wir die Chancen für Ihren Zahn einschätzen und wann eine andere Lösung sinnvoller ist.
Häufige Fragen zur Wurzelkanalbehandlung
Ist eine Wurzelkanalbehandlung schmerzhaft?
Die Behandlung erfolgt unter örtlicher Betäubung, sodass Sie in der Regel nichts spüren. In den ersten Tagen danach kann der Zahn etwas empfindlich sein. Das klingt üblicherweise schnell ab. Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie uns einfach an.
Wie viele Termine sind nötig?
Meist planen wir zwei Sitzungen. Bei Revisionen oder komplexer Wurzelanatomie können es mehr sein. Das besprechen wir vorab mit Ihnen.
Mein Zahn wurde schon wurzelbehandelt und macht wieder Probleme. Was nun?
Dann ist häufig eine Revision sinnvoll: Die alte Wurzelfüllung wird entfernt, übersehene oder unzureichend gereinigte Kanäle werden aufbereitet und neu verschlossen. Sprechen Sie uns gerne an, bevor eine Wurzelspitzenresektion oder eine Entfernung des Zahns geplant wird.
Ist ein Implantat nicht die einfachere Lösung?
Ein Implantat ist eine gute Option, wenn ein Zahn nicht mehr zu retten ist. Ein erhaltener eigener Zahn bietet jedoch natürliche Tastempfindung, einen gesunden Zahnhalteapparat und erhält den Kieferknochen. Deshalb prüfen wir immer zuerst, ob sich Ihr Zahn erhalten lässt.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen eine Wurzelkanalbehandlung unter bestimmten Voraussetzungen. Leistungen, die darüber hinausgehen, etwa der Einsatz des Dentalmikroskops oder aufwendige Desinfektionsprotokolle, werden privat berechnet. Was auf Sie zukommt, erfahren Sie vorab schriftlich.

Revision statt vorschneller Operation
Ist eine frühere Wurzelbehandlung nicht ausgeheilt, wird oft eine Wurzelspitzenresektion vorgeschlagen, also das chirurgische Kürzen der Wurzelspitze. Bakterien sitzen jedoch meist im gesamten Kanalsystem, nicht nur an der Spitze. Man kann sich das wie ein verschmutztes Rohr vorstellen: Es wird nicht sauberer, wenn man einfach ein Stück davon abschneidet.
Deshalb schöpfen wir zunächst die Möglichkeiten einer Revision aus. Ist danach doch ein chirurgischer Eingriff nötig, führen wir ihn unter dem Mikroskop durch. Die Ausgangslage ist dann deutlich besser.
Die eigenen Zähne zu erhalten, muss immer Plan A sein.
Deshalb investieren wir Zeit, Technik und Erfahrung in jeden Zahn, der noch eine Chance hat. Ist ein Zahn nicht zu halten, sagen wir Ihnen das genauso offen und planen mit Ihnen die beste Alternative.

Nach der Behandlung
Nach der Wurzelfüllung braucht der Knochen um die Wurzel einige Monate, um auszuheilen. In dieser Zeit schützt eine dichte adhäsive Füllung oder ein Langzeitprovisorium den Zahn. Nach etwa sechs Monaten kontrollieren wir die Heilung auf dem Röntgenbild.
Anschließend erhält der Zahn meist eine stabilisierende Versorgung, je nach Defekt ein Onlay, eine Teilkrone oder eine Krone. Dabei erhalten wir so viel gesunde Zahnsubstanz wie möglich.
Auch bei schwierigen Ausgangslagen
Viele Zähne, die zunächst als „nicht erhaltungswürdig“ gelten, lassen sich mit mikroskopgestützter Endodontie erhalten. Dazu gehören zum Beispiel:
- chronische Entzündungen an bereits wurzelbehandelten Zähnen
- Fistelgänge und Entzündungen an der Wurzelspitze
- abgebrochene Instrumente im Wurzelkanal
- verkalkte oder schwer auffindbare Kanäle
- Perforationen und Resorptionen der Zahnwurzel
- Zähne nach einem Zahnunfall
Ob sich Ihr Zahn erhalten lässt, klären wir in einer Untersuchung. Das Ergebnis erklären wir Ihnen so, dass Sie es nachvollziehen können.
So läuft Ihre Wurzelkanalbehandlung ab
Diagnose
Wir untersuchen den Zahn und fertigen ein Röntgenbild an, bei Bedarf auch eine 3D-Aufnahme. Den Befund besprechen wir in Ruhe mit Ihnen.
Vorbereitung
Der Zahn wird örtlich betäubt und mit einem dünnen Gummituch, dem Kofferdam, vor Speichel und Bakterien geschützt.
Aufbereitung
Unter dem Mikroskop suchen wir alle Wurzelkanäle, messen ihre Länge elektronisch und erweitern sie behutsam.
Desinfektion
Anschließend spülen wir das gesamte Kanalsystem mehrfach mit desinfizierenden Lösungen, um die Bakterien zu entfernen.
Wurzelfüllung
Die gereinigten Kanäle werden dicht gefüllt, und der Zahn wird bakteriendicht verschlossen.
Kontrolle
Nach einigen Monaten prüfen wir per Röntgenbild, ob die Entzündung ausgeheilt ist, und planen die endgültige Versorgung des Zahns.
Quellen
- Ng YL, Mann V, Rahbaran S, Lewsey J, Gulabivala K. Outcome of primary root canal treatment: systematic review of the literature – Part 1. International Endodontic Journal. 2007;40(12):921–939.
- Ng YL, Mann V, Gulabivala K. Tooth survival following non-surgical root canal treatment: a systematic review of the literature. International Endodontic Journal. 2010;43(3):171–189.
- Ng YL, Mann V, Gulabivala K. Outcome of secondary root canal treatment: a systematic review of the literature. International Endodontic Journal. 2008;41(12):1026–1046.
- Stropko JJ. Canal morphology of maxillary molars: clinical observations of canal configurations. Journal of Endodontics. 1999;25(6):446–450.
- European Society of Endodontology. Quality guidelines for endodontic treatment. International Endodontic Journal. 2006;39(12):921–930.