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Wir beantworten Ihre Frage

Als erfahrener Zahnarzt beantworte ich hier die Fragen,
die mir meine Patienten am häufigsten stellen.

Dr. Ulrich Schmitt, Zahnarzt mit Schwerpunkt Endodontie in Bensberg
Thorsten - 6. August 2025

Brauche ich ein DVT vor der Wurzelkanalbehandlung?

Guten Tag, bei mir wurde auf einem Panoramaröntgenbild eine Entzündung an einer Zahnwurzel festgestellt. Ich hatte ziemliche Schmerzen. Auf Basis des Panoramaröntgenbildes wurde zwei Tage nach
Erstellung des Bildes daraufhin eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt. Nach diesem Behandlungstermin wurden die Schmerzen und auch eine Schwellung unter dem Kiefer über mehrere Tage noch größer.
Trotz Antibiotikatherapie ergab sich keine Besserung. 4 Tage nach der ersten Wurzelbehandlung – und 7 Tage nach dem ersten Panoramaröntgenbild – wurde ein weiteres Panoramaröntgenbild angefertigt.
Darauf war ersichtlich, dass die Entzündung in der einen Woche größer geworden ist. Daraufhin wurde der Zahn gezogen – obwohl der Arzt überzeugt war, die Wurzelbehandlung perfekt durchgeführt zu
haben. Mit Überraschung stellte er nach dem Ziehen! fest, dass die Wurzeln des extrahieren Zahns s-förmig verlaufen. Dies hatte er während der Wurzelbehandlung nicht gemerkt – und auf einem
Panoramaröntgenbild ist dies nicht ersichtlich. Daher teilte er mit, dass die Wurzelbehandlung eh keinen Erfolg gehabt hätte und es gut war, dass der Zahn gezogen wurde. Es wurde kein einziges
Einzel-Röntgenbild des betroffenen Zahns angefertigt. Wie schätzen Sie die Qualität der Behandlung ein? Vielen Dank für eine Rückmeldung. Gruß Thorsten

Antwort von Dr. Ulrich Schmitt

Hallo Thorsten,
ich glaube, Sie haben sich das schon selbst beantwortet.
Ein Panaramaröntgenbild ist eine Übersichtsaufnahme, die wie der Name schon sagt mal eine Übersicht geben kann. Die Qualität ist naturgemäß aber nicht die gleiche wie auf einem Einzelröntgenbild,
auch wenn die Geräte dahingehend deutlich besser geworden sind.
Ca. 2 Wochen nach dem ersten Panoramabild ein weiteres zu machen ist abgesehen von der unnötig höheren Strahlbelastung (es geht doch nur um den einen Zahn, warum müssen die anderen wieder mitgeröntgt
werden?), kontraindiziert. Haben Sie denn gesehen, dass die dunkle Stelle an der Wurzelspitze größer geworden ist?
Für einen Einzelzahn und insbesondere bei Wurzelbehandlungen sind natürlich Einzelröntgenbilder oder in komplizierten Fällen ein DVT indiziert. Ein DVT (digitales Volumentomogramm) kann die Wurzeln
und die Entzündung dreidemensional darstellen. So würde man z.B. auch die Krümmung der Wurzel in der Richtung von außen nach innen darstellen.
Außerdem ist ein sogenannter Apexfinder / Apexlocator essenziell bei Wurzelbehandlungen. Dann erkennt man auch, dass man noch gar nicht an der Wurzelspitze angelangt ist, egal ob Krümmung oder nicht.
Auch ohne dieses essentielle Gerät kann man zumindest annäherungsweise über einer sogenannte Meßaufnahme (Feile im Zahn während des Röntgens) sehen wir nah man an der Wurzelspitze angelangt ist. Auch
das ist ein Einzelbild. Wenn man nicht bis unten kommt, dann ist klar, dass die Schmerzen nicht weggehen. Die Ursache ist ja nicht behoben.
Und natürlich kann man auch stark gekrümmte Wurzeln endodontisch behandeln. Spätestens ein Endodont. Wir können auch nahezu 90 Grad gekrümmte Wurzeln therapieren. Natürlich meint man damit keinen
abrupten rechten Winkel, sondern wenn man die Linien vom Anfang des Wurzelkanals geradlinig nach unten und vom Ende des Wurzelkanals her übereinander legt. Etwas schwierig zu erklären, aber
vielleicht nachvollziehbar. Ich hab eine derartige Krümmung auch schon an einem Weisheitszahn erfolgreich behandelt, also bei ziemlich schlechtem Zugang. Natürlich kann ich mir dennoch kein Urteil
erlauben über Ihren Zahn und ihre Wurzelkanalkonfiguration.
Ein weiterer Grund für Schmerzen und Schwellung nach der Behandlung könnte ein sogenannter Spülunfall sein. Dabei wird während der Spülung des Kanals leider Spülflüssigkeit außerhalb der Wurzel in
die Umgebung gepresst. Das tut dann auch während des Vorgangs trotz Spritze weh. Das gleiche kann bei der medikamentösen Einlage passieren. Auch das tut richtig weh, wenn es überpresst wird.
Ich find es immer wieder schade, dass Zahnärzte nicht den Mut haben oder nicht genügend fortgebildet sind, um diese Patienten dann an endodontisch speziell ausgebildetet Zahnärzte zu überweisen.
Keiner von uns kann alles auf absolutem Spezialistenniveau.
Sie können dafür sorgen, dass sie Menschen in ihrem Umfeld dazu motivieren Wurzelbehandlungen direkt mit speziellen Verfahren von versierten Kollegen machen zu lassen (ca.95% Erfolgsprognose)
anstelle der Standardtherapie (ca. 50% Erfolgsprognose). Und sie können verhindern, dass Menschen aus ihrem Umfeld zu einer Wurzelspitzenresektion gehen oder sich unnötig Zähne ziehen lassen.
Schicken Sie sie zum Endodonten.
Wenn das dann anderen hilft, dann hat sich ihr Leid zumindest "gelohnt". Und das soll wirklich nicht zynisch wirken. Es tut mir total leid. Und mit diesem Blog, möchte ich aufklären und Patienten
ihre Zähne retten, auch wenn ich Sie wegen der Entfernung zu mir nicht selbst behandeln kann. Aber das Wissen der Patienten hilft sicherlich den ein oder anderen Zahn zu retten.
In diesem Sinne, vielen Dank für Ihre Beteiligung hier. Alles Gute
Ulrich Schmitt